Blog

Hintergründiges aus dem Versicherungsbereich

Zweiklassenmedizin in der Schweiz?

8. September 2016 Ohne Kommentare

Rund 80% der Schweizer haben neben ihrer Kranken-Grundversicherung auch eine Zusatzversicherung, die individuelle Ergänzungsdeckungen neben der Basis­deckung (Krankheit, Unfall und Mutterschaft), ermöglicht. Ist dieser Prozentsatz ein Indikator für eine Zweiklassenmedizin? Und sind Zusatzversicherungen überhaupt nötig?

Im europäischen Vergleich überzeugt die Schweiz mit einer überdurchschnittlichen Grundversorgung.

Zwei Schifahrer stossen auf einer Schweizer Schipiste zusammen. Beide sind schwer verletzt und werden von ausgebildeten Einsatzkräften mit dem Hubschrauber ins nächste Krankenhaus transportiert, um jeweils eine notwendige Operation durchzuführen. Einer der Patienten wird höchstpersönlich vom Chefarzt operiert und verbringt die Tage nach der Operation in einem geräumigen Einzelzimmer, der andere Verletzte muss sich mit einem Assistenzarzt und einem Mehrbettzimmer zufriedengeben. Der Grund: Er hat keine private Zusatzversicherung. Diese Situation und generell die Möglichkeit sich zusätzlich zu versichern, signalisiert ein existierendes Zweiklassensystem in der Schweiz. Willy Oggier, Schweizer Gesundheitsökonom, behauptet sogar, dass es die Zweiklassenmedizin schon immer gab und immer geben wird. Die Frage sei eher, auf welchem Niveau sich die zweite Klasse befindet (Benz, 2013). In der Schweiz sind in diesem Fall, die etwa 20%, die sich keine Zusatzversicherung leisten können oder wollen, die zweite Klasse. Im Schnitt zahlen diese Personen um rund 60 CHF monatlich weniger Krankenkassenprämien, müssen aber für viele Leistungen, die sie in Anspruch nehmen, selber aufkommen.

Im europäischen Vergleich überzeugt die Schweiz mit einer überdurchschnittlichen Grundversorgung und platziert sich an zweiter Stelle hinter den Niederlanden im Euro Health Consumer Index 2015. Geprüft wurde die medizinische Grundversorgung im Bereich Patientenrechte und Information, Wartezeiten, Resultate, Umfang des gebotenen Service, Schutz und Arzneimittel. Die Schweizer „zweitklassig Versicherten“ sind somit mit sehr guter Qualität versorgt und haben mit Belgien sogar die kürzesten Wartezeiten in ganz Europa (Björnberg, 2016).

 

Der Euro Health Consumer Index 2015

diagramm(2)

Silbermedaille für die Schweiz im Euro Health Consumer Index 2015 für ihr ausgezeichnete medizinische Grundversorgung in den Bereichen Patientenrechte und Information, Wartezeiten, Resultate, Umfang des gebotenen Service, Schutz und Arzneimittel.

 

Die gute medizinische Grundversorgung hat allerdings auch ihren Preis. Gemäss den OECD Zahlen aus dem Jahre 2000 investiert die Schweiz nach den USA und Frankreich von allen OECD-Ländern anteilsmässig am meisten Ressourcen in die Gesundheit ihrer Einwohner (Bundesamt für Statistik, 2011).

Durch die überdurchschnittlich hochwertige Grundversorgung ist eine Zusatzversicherung keine Pflicht. Wer sich aber seine Gesundheit etwas kosten lässt, und zB Wert auf alternative Heilmethoden legt, ist mit einer spezifisch auf seine Bedürfnisse zugeschnittenen Zusatzversicherung gut beraten.

kassenpatient-wartezimmer

Wartezimmer für Patienten ohne Zusatzversicherung?
In der Schweiz zumindest nicht.

Man vergleiche die Kosten des Standardmodels plus einer ambulanten Zusatzversicherung (Brille, Sehhilfe, Fitnessstudio, Notfällen im Ausland, Naturheilmethoden und Kuren) einer 4-köpfigen Familie in drei Gemeinden der Kantone Bern, Luzern und Zürich. Die Summe der Kosten der Zusatzversicherung der Familie ergibt je nach Kanton und Krankenkasse rund 270 bis 425 CHF pro Jahr. Hätte die Familie diese Zusatzversicherung nicht, müsste die Familie im Falle einer Sehschwäche eines Familienmitglieds, die kompletten Kosten alleine tragen. Eine Brille mit optischen Linsen kann schnell um die 400 CHF kosten, die sich die Familie mit einer Zusatzversicherung zum grössten Teil ersparen würde.

Ein anderes Beispiel wäre die Zahnzusatz­versicherung für rund 15 CHF pro Monat, die den Grossteil der Kosten übernimmt und zudem auch noch weitere Angebote wie Röntgen, Zahnstellungskorrekturen, generelle Behandlungen und weiteres inkludiert.  Bei einer Behandlung einer Zahnerkrankung, die schnell einmal 400 bis 600 CHF kosten kann, ist eine Zahnzusatzversicherung sehr rentabel.

Kostenvorteile durch bedarfsorientierte Zusatzversicherung

Mit einer bewussten bedarfsorientierten Produktentscheidung können Versicherte daher Kostenvorteile erzielen.  Durch die hohe Qualität der Grundversorgung sind zudem die Prämien der Zusatzversicherung in Bezug auf die Abdeckung von möglichen Gesundheits- und Behandlungskosten geringer wie die der Grundversicherung. Zudem stammen nur etwa zwei Drittel aller Gesundheits- und Behandlungskosten aus dem Topf der Prämien von der obligatorischen Grundversicherung (Anivo, 2016). Das andere Drittel fliesst dann automatisch in die Zusatzversicherungen mit ein. Sprich: Wer nicht zusatzfinanziert ist, finanziert die anderen mit. Diese Gelder werden dann für Präventionsrabatten genützt, von denen Personen mit einer ambulanten Zusatzversicherung profitieren.

Durch die Wahlmöglichkeit des Kunden, eine optionale Krankenzusatzversicherung abzuschliessen, wird es immer qualitative Unter­schiede in der Behandlung geben. Jedoch können Zusatzversicherung auch für weniger wohlhabende Personen langfristig rentabel sein.

Von Präventionsmassnahmen profitieren nämlich sowohl der Versicherte als auch das Versicherungsunternehmen. Der Kunde bleibt länger gesund und Versicherungen verringern ihre Gesamtausgaben, da die Kosten der Präventionsmassnahmen deutlich geringer sind als die potentiellen Behandlungsmassnahmen einer Krankheit. Im Jahr 2005 haben Schweizer Krankenkassen rund CHF 1.13 Mia. für Präventionsmassnahmen ausgegeben und der Trend ist steigend (Bundesamt für Gesundheit, 2007).

Das geht so weit, dass erste Versicherungen damit beginnen, die Kunden für einen gesunden Lebensstil zu belohnen. Neue Technologien wie „Fitbit“ Armbänder oder „Runtastic“ Apps helfen dabei, den Bewegungsrhythmus, die Ernährung und den Schlafrhythmus der Kunden darzustellen und ihren Lebensstil zu verdeutlichen.  Wer gesund lebt und das beweisen kann, wird im Gegenzug mit Vergünstigungen belohnt. Der Krankenversicherer CSS hat hierzu 2015 ein Pilotprojekt gestartet. (Frankfurter Allgemeine, 2016) (Zeit online GmbH, 2014).

Durch die Wahlmöglichkeit des Kunden, eine optionale Krankenzusatzversicherung abzuschliessen, wird es immer qualitative Unterschiede in der Behandlung geben.
Jedoch können Zusatzversicherung auch für weniger wohlhabende Personen langfristig rentabel sein.

Welche Zusatzversicherung Ihren Ansprüchen am besten entspricht und am günstigsten ist, finden Sie schnell unter Anivo.ch raus. Durch den unkomplizierten Versicherungsvergleich können Sie in wenigen Minuten die Leistungen von verschiedenen Schweizer Krankenkassen vergleichen und unverbindliche Offerte anfordern. Zur Beratung stehen Ihnen Versicherungsexperten qualifiziert durch FINMA jederzeit per Telefon, Chat oder Email zur Verfügung, um Ihre persönliche Situation zu besprechen. Schlussendlich können Sie bequem und einfach Ihre gewünschte Versicherung online abschließen.

 


Quellen

  1. Anivo, (2016). ANIVO – Online versichert. Persönlich beraten. [online] Anivo.ch. Verfügbar unter: https://www.anivo.ch/?platform=anivo-health#/responsive_health_request [Aufgerufen am 4 Jul. 2016].
  2. Benz, D. (2013). Spitäler: «Zweiklassenmedizin hat es schon immer gegeben»- Beobachter. [online] Beobachter. Verfügbar unter: http://www.beobachter.ch/geld-sicherheit/krankenkasse/artikel/spitaeler_zweiklassenmedizin-hat-es-schon-immer-gegeben/ [Aufgerufen am 1 Jul. 2016].
  3. Björnberg, A. (2016). Euro Health Consumer Index 2015 Report. 1st ed. [ebook] Health Consumer Powerhouse Ltd. Verfügbar unter: http://www.healthpowerhouse.com/files/EHCI_2015/EHCI_2015_report.pdf [Aufgerufen am 1 Jul. 2016].
  4. Bundesamt für Gesundheit, (2007). Prävention und Gesundheitsförderung in der Schweiz. Liebefeld: Bundesamt für Gesundheit.
  5. Bundesamt für Statistik BFS, (2011). Kosten und Finanzierung des Gesundheitswesens. Neuchâtel: Bundesamt für Statistik BFS.
  6. Frankfurter Allgemeine, (2016). Versicherer General: Joggen für die geringe Versicherungsprämie. [online] FAZ.NET. Verfügbar unter: http://www.faz.net/aktuell/finanzen/meine-finanzen/versichern-und-schuetzen/versicherer-generali-fuehrt-vitality-tarife-in-deutschland-ein-14299998.html [Aufgerufen am 1 Jul. 2016].
  7. Zeit Online GmbH, (2014). Krankenversicherung: General will Fitnessdaten von Kunden sammeln. [online] Zeit online. Verfügbar unter: http://www.zeit.de/digital/2014-11/versicherung-generali-fitness-daten-sammeln [Aufgerufen am 1 Jul. 2016].

Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.